O 02, O Schwerin - Vorbild

Der O Schwerin 32 907 vermutlich 1949 im Ausbesserungswerk Osnabrück fotografiert. Die Durchrostungen in den Seitenwänden sind bei diesem Wagen durch eingeschweisste, an den Türen durch aufgenietete Bleche repariert worden.
(Foto: Rudolf Klitscher)

Omk[u] (pr II d 1)         O Schwerin        O 02

Bauartbezeichnung und Wagennummern

Preußische Staatsbahn                      Omk(u)
Zeichnung                              Musterblatt II d 1
DRB                                                0 Schwerin
DB-Bezeichnung                                       0 02
DR-Bezeichnung                                      0 30
DRB                            Schwerin 101 - 34350
DB                                    660 000 - 664 999
DR                                   30-01-01 - 30-49-99

Einsatzzeitraum/Bestände

Erstes Baujahr                                          1892
Letztes Baujahr                                         1913
gebaute Stückzahl (bis 1908)               43.223
Bestand 31.5.1934                                14.733
DB 31.12.1952                                    ca. 1.100
DB 31.12.1958                                      ca. 400
Letztes Einsatzjahr (DB)                   ca. 1960*

*als Schlackenwagen noch bis ca. 1972 im Einsatz

Technische Daten
mit und ohne Handbremse

Länge über Puffer                  7300/6600 mm
Achsstand                                3300/3000 mm
Ladelänge                                        5300 mm
Ladebr.        2890 mm,   ab 1904: 2786 mm
Ladefläche         15,3 m2,  ab 1904: 14,8 m2
Laderaum         19,1 m3,  ab 1904: 19,2 m3
Ladegewicht                                            15,0 t
Tragfähigkeit                                        15,75 t
Eigengew. Pr.Sts.B.                8470/7340 kg
Eigengewicht DB                   9200 / 8700 kg
Achslager                                        Gleitlager
Höchstgeschwindigkeit                      65 km/h
Bremsbauart                                          —
Federgehänge                                   Laschen
Federblattanz./-länge               10/1000 mm
Pufferlänge                                          650 mm
Puffertellerdurchmesser                    370 mm

O Schwerin mit Bremserhaus

Dieser O Schwerin mit Handbremse wurde zwar noch zum O 02 661 202 umgezeichnet, machte Anfang der fünfziger Jahre jedoch ebenfalls bereits einen ziemlich heruntergekommenen Eindruck.
(Foto: Rudolf Klitscher)


Das Vorbild

  Das Musterblatt II d 1 zeigt in der 2. Auflage aus dem Jahr 1894 - die Erstauflage liegt leider nicht vor - einen Kohlenwagen mit eisernem Wagenkasten mit 15,75 t Tragfähigkeit und 15 t Ladegewicht.
  Er hatte gebuckelte, 1,25 m hohe, fest mit dem Untergestell verbundene Bordwände. Die Ladelänge betrug 5,30 m, die Länge über Puffer bei den Wagen mit Handbremse 7,30 m, bei Wagen ohne Handbremse 6,60 m.
  Das einseitig zugängliche Blechbremserhaus entsprach weitgehend der Vorgängerbauart nach dem Musterblatt II c 4. Die Preßblechtüren und die Trittstufen darunter wurden ebenfalls unverändert von der Vorgängerbauart übernommen.
  Hingegen wurden die Kopfklappen geändert: Zum einen wurden die ursprünglich seitlich an den Ecksäulen sitzenden Kopfklappenlager auf die Ecksäulen gesetzt, so dass die Gefahr des Abreißens verringert wurde, zum anderen erhielten die Kopfklappen gewölbte Obergurte.
  Ähnlich wie die anderen, der gleichen Generation angehörenden Wagen, hatten die Omk(u)-Wagen aus Flacheisen zusammengenietete Achshalter. Erst 1904, in der 5. Auflage des Blattes II d 1, werden die Kohlenwagen mit Preßblech-achshaltern dargestellt.
  Gleichzeitig wurde die Wagenkastenbreite von 2,90 m auf 2,796 m verringert. Um annähernd den gleichen Laderaum zu erhalten, wurde der Wagenkasten jedoch 5 cm höher; die Bordwandhöhe betrug ab diesem Zeitpunkt ca. 1,30 m. 1909 erhielten die Wagen schliesslich Bremserhäuser, wie sie später bei der Verbandsbauart verwendet wurden.

Omk(u) Cöln 59 995 Schlackenwagen 704 252

Der mit Kabeltrommeln beladene preußische Omk[u] Cöln 59 995 im Jahr 1912 auf einer Waggondrehscheibe vermutlich auf dem MAN-Werksgelände. Zum Zeitpunkt der Aufnahme hatte der Wagen bereits Verbandsbauart-Achslager. (Foto: MAN)

Anfang der fünfziger Jahre wurden die meisten kurzen O-Wagen mit Blechwänden nur noch als Schlacken-wagen eingesetzt und hatten daher Bahndienstwagennummern. Das Foto zeigt den Schlackenwagen 704 252 des Bw Plattling am 21. Mai 1951. (Foto: Bustorff)

  Obwohl der buchmäßige Sollbestand am 1. April 1920 62.993 spätere O Schwerin betrug, die fast ausnahmslos nach dem Musterblatt II d 1 gebaut worden waren, ist der ursprünglich für die O Schwerin vorgesehene Nummernbereich bis 63 093 nie belegt worden. Bereits zur Reichsbahnzeit wurden viele Wagen als Schlacken- und Kohlenwagen ausschliesslich für die Versorgung der Bahnbetriebswerke verwendet. Daher waren bereits 1934 nur noch 14.733 Wagen für den öffentlichen Verkehr im Bestand. Die von der Saar-Eisenbahn 1935 hinzugekommenen Wagen wurden mit Nummern ab 30 201 eingereiht.
  Bei der Deutschen Reichsbahn erhielten die O Schwerin - wie die meisten ehemaligen Länderbahnwagen - ungeteilte Verbandsbauart-Gleitlager und Hülsenpuffer. Die Ausrüstung mit Druckluftbremse konnte bislang jedoch für keinen Länderbahnwagen nachgewiesen werden und erscheint unwahrscheinlich, da die Kunze-Knorr-Bremse an das Bremsgestänge der Verbandsbauartwagen angepasst war. Bei den älteren Wagen wären daher umfangreiche Umbauarbeiten erforderlich geworden.
  Zur DB kamen vermutlich noch ca. 2.000 Wagen, die z. T. noch zu O 02 mit Nummern ab 660 000 umgezeichnet wurden, sowie eine große Zahl von Bahndienstwagen. Die letzten O 02 wurden Ende der fünfziger Jahre ausgemustert, die letzten, als Schlackenwagen genutzten, erst in den siebziger Jahren.

Musterzeichnung

O Schwerin ohne Bremse im Zustand der fünfziger Jahre:
Oben ein vor 1904 gebauter Omk[u] als Schlackenwagen, darunter ein zwischen 1904 und 1913 gebauter Wagen als O 02
.

Texte, Bilder und Fotos mit Genehmigung von Stefan Carstens: GÜTERWAGEN
Band 3 Offene Wagen, Vorbild & Modell,
ISBN 3-9804349-2-3, 1996

Seiten- und Stirnansichten von O Schwerin mit Handbremse. Die Zeichnungen zeigen in der oberen Reihe einen nach der 2. Auflage des preußischen Musterblattes II d 1 gebauten Wagen im Zustand der dreißiger Jahre (mit Hülsenpuffern) und rechts daneben die Stirnansicht eines nach 1904 gebauten, schmaleren und höheren Wagens. In der unteren Reihe sind zwei 1908 und 1911 an die Preußische Staatsbahn gelieferte Wagen abgebildet. Beide haben 1300 mm hohe Bordwände, unterscheiden sich jedoch in der Bauart der Bremserhäuser und der Achslager.

Konstruktionszeichnung